Zu den beeindruckendsten, im frühen 14. Jahrhundert von den Caetani in Auftrag gegebenen Bauwerken zählt der „Saal der Barone“ (Sala dei Baroni), der an den Bergfried angrenzt und heute „Haus der Herrschaften” (Casa dei Signori) genannt wird.
Hier wurden die wichtigsten Angelegenheiten des Lehens geregelt und hier konzentrierte sich das Familienleben.
Seit seiner Errichtung diente der große Saal als Sitz der Volksversammlung; der Zugang erfolgte über den Innenhof (der heutige Exerzierplatz) und die Statuten besagen, dass hier die curia zusammenkam, der aus Richter, Schreiber und Notaren bestehende Gerichtshof.
Es war ein imposanter Saal, der sich über eine Länge von zweiundzwanzig Metern erstreckte. Heute sind die wichtigsten strukturellen Elemente zwar noch vorhanden, doch ist es nicht mehr möglich, ihn in seiner Gesamtheit zu erkennen, da zur Zeit der Borgia ein Joch entfernt und der verbleibende Teil in viele kleine Räume unterteilt wurde.
Die Erinnerung an den ursprünglichen Saal bleibt durch die Lektüre von Dokumenten aus jener Zeit erhalten: sie beschreiben seine mit Fresken bedeckten Wände und drei große Spitzbögen, die das Dach stützten und ihn in vier Felder unterteilten.
Die Chroniken berichten von einem üppigen Bankett, bei dem Fleisch, lokale Weine und würzige Süßspeisen aufgetischt wurden, während von den Wänden Musik und Reden widerhallten, die politische Spannungen überspielten. Es war ein Wendepunkt, der die Wandlungsfähigkeit der Burg, von der militärischen Festung zur Bühne der Diplomatie, bewies.
Der Besuch dieses Raumes wird durch eine virtuelle Rekonstruktion des ursprünglichen Aussehens des Saals bereichert, die auch auf der Grundlage einiger von Prof. Maria Barosso angefertigter Entwürfe einer rekonstruktiven Hypothese erhalten wurde, die im Band „Domus Caietana“ von Gelasio Caetani veröffentlicht wurden.

